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1984-85 Dies sind die Nachkommen Noahs

 "Dies sind die Nachkommen Noahs, eines frommen Mannes seiner Generation. Er wandelte mit dem Schöpfer (Bereshit [Genesis] 6, 9)." 


Kommentar von Raschi. Dies lehrt uns, dass das Wesentliche der Nachkommen der Gerechten gute Taten sind. Raschi erklärt: Warum heißt es: “Dies sind die Nachkommen Noahs”? Es hätte doch die Namen seiner Söhne heißen sollen, nämlich Shem, Cham und Jafet. Und warum steht es geschrieben: “Dies sind die Nachkommen Noahs, eines frommen Mannes”? Darüber erklärt Raschi, dies ist aufgrund der Tatsache, dass das Wesentliche daran ist, dass die Nachkommen der Gerechten gute Taten sind.

"In seiner Generation": Es gibt unter unseren Weisen solche, die meinen, es sei ein Lob, da, obwohl Noah unter Gerechten lebte, er noch gerechter war als sie. Und es gibt solche, die meinen, es sei ein Tadel, da, wenn er in der Generation Abrahams gelebt hätte, er anderen [seinen Zeitgenossen] nicht überlegen gewesen wäre.

"Er wandelte mit dem Schöpfer": Kommentar von Raschi. "Und Abraham sagte: "Der Herr, vor dem ich wandle" [Genesis 24:40]. Noah brauchte Unterstützung, wobei Abraham sich selbständig festigte (und wandelte) in seiner Gerechtigkeit.

Hier ist eine Erläuterung von dem Gesagten in den Begriffen der spirituellen Arbeit. Man muss wissen, dass “Vater” und “Sohn” oder “Väter” und “Nachkommen” Ursache und Wirkung bedeuten.  Wenn in dieser Welt ein Mensch irgendwelche Handlungen ausführt, ist er sicher, dass diese ein Ergebnis mit sich bringen. Zum Beispiel, wenn ein Mensch in einer Fabrik arbeiten geht, möchte er mittels seiner Handlungen einen Lohn verdienen, mit dem er sich behausen und ernähren kann. Also ist der “Vater” die Anstrengung und das "Nachkommen" der Unterhalt. Oder wenn ein Mensch irgendwelche Weisheit studiert, möchte er dadurch einen Ruf eines Weisen erreichen. Folglich dient alles, was der Mensch tut, nur dazu,  eine Auswirkung [wörtl. Nachkommen] zu sehen.

Dementsprechend, wenn sich der Mensch mit Tora und Geboten beschäftigt, möchte er sicherlich ein Ergebnis [Nachkommen] von seinen Handlungen sehen [wörtl. dass ihm ein Nachkommen von seinen Handlungen geboren werde]. 

Und es steht geschrieben im Heiligen Sohar (Vorwort zum Buch Sohar mit dem Sulam Kommentar, S.184, P. 189):  “Es existieren drei Arten von Zittern [Angst]: Zwei davon haben keine würdige Wurzel. Und eine ist die Wurzel des Zitterns vor dem Schöpfer. Manche Menschen, haben Angst vor dem Schöpfer, damit ihre Kinder leben, damit sie nicht streben,  oder sie haben Angst vor einer Bestrafung für ihr Vermögen oder Körper. Und diese Angst haben sie immer. Also hat diese Angst keinen Bezug zur Wurzel, denn die Wurzel hier ist der Egoismus und die Angst ist nur eine Folgerung davon. Es gibt auch andere Menschen, die den Schöpfer fürchten, da sie Angst vor einer Bestrafung in der anderen Welt, Angst vor der Hölle haben. Und diese zwei Arten von Angst, nämlich, Angst vor einer Bestrafung in dieser Welt oder Angst vor einer Bestrafung in der anderen Welt, sind nicht das Wesentliche in ihr und nicht ihre Wurzel. 

Sohar, P. 191: "Die wichtigste Art der Angst ist es, wenn der Mensch Angst vor seinem Herrn hat, da sein Herr Groß ist und die Macht über alles hat, das Wesen und die Wurzel aller Welten ist, und alles ist nichtig vor Ihm [vor seiner Größe]”.

Also stellt es sich heraus, dass von der Arbeit, die der Mensch verrichtet, er die Ergebnisse [den Nachkommen] seiner Bemühungen sehen möchte. Das nennt man "Früchte seiner Handlungen". Man muss zwischen drei Arten von "Nachkommen" unterscheiden:

a) Die Belohnung in Dieser Welt, das heißt, damit die Kinder dieses Menschen mit allem Nötigen versehen sind, damit er in seiner Arbeit vorankommt usw.

b) Die Belohnung in der zukünftigen Welt.

c) "..., weil Er groß ist und über allem herrscht", das heiß, dass das ganze Erzeugnis, mit welchem der Mensch rechnet, darin besteht, dem Schöpfer Genuss zu bereiten.

Daraus folgt, dass menschliche Handlungen eine Folge haben, eine Folge, die als gute Taten bezeichnet wird. Eine gute Tat bedeutet, dem Schöpfer Genuss zu bereiten, wie es in den Psalmen (Tefilim, 45) geschrieben steht: "Das Rauschen meines Herzens sind gute Taten, über die ich dem König berichte".

Das heißt, der Mensch möchte, dass alle seine Taten dem Schöpfer gelten, dann heißen sie "gute Taten", und zum Eigennutz braucht er keine Belohnung. Die ganze Belohnung, mit der er rechnet, ist, die Möglichkeit zu haben, Taten zu vollbringen, die dem Schöpfer Genuss bereiten, ohne Bezahlung für die eigene Arbeit.
Somit besteht seine Belohnung darin, dass er dieses Geschenk, diese Eigenschaft erhält, Taten nur für den Schöpfer zu vollbringen, und dass dieser keine Absicht, für sich selbst zu empfangen, beigemischt ist. Das ist seine Belohnung, für die er sich mit der Tora und den Geboten beschäftigt. Und das sind jene guten Taten, die er als Belohnung für seine Arbeit zu vollbringen erhofft. Und darüber steht geschrieben (Talmud, Traktat Kidduschin, 30): "Ich erschuf den Bösen Trieb und ich erschuf die Tora als Gewürz dazu".

Was vollbringen demnach die Gerechten? Nur gute Taten. Das heißt, jene Wirkung, die aus der Ursache folgt, wo die Ursache das Studium der Tora und der Gebote ist, ist bei allen anderen Menschen die Belohnung in dieser und der zukünftigen Welt, während die Belohnung bei den Gerechten nur gute Taten sind.  Das ist die ganze Belohnung, mit der sie rechnen: die Möglichkeit, dem Schöpfer Genuss zu bereiten.

Darum sagt Raschi, die wichtigste "Abstammung" der Gerechten ihre guten Taten sind, dass alle ihre Taten darauf gerichtet sein werden, dem Schöpfer Genuss zu bereiten.

Doch man muss verstehen, was genau Raschi als "die wichtigste Abstammung der Gerechten" bezeichnet, was für sie nebensächlich ist, was nicht als das Wichtigste bezeichnet werden kann?

Es gibt eine Tat und es gibt Wissen. Verständnis, das, was sich "innerhalb des Wissens" befindet, ist der Grund, warum der Körper ebenfalls damit einverstanden ist, sich mit der Tora und den Geboten zu beschäftigen. Denn wenn der Mensch die Stufe "für den Schöpfer" (liShma) erreicht hat, wird er des Lebenslichtes, welches in der Tora und den Geboten verborgen ist, würdig. Das wird als Kategorie "Verständnis" bezeichnet, wenn der Körper ebenfalls versteht, dass es sich lohnt, für den Schöpfer zu arbeiten. Wie Rabbi Meir sagte (Traktat Awot, Kapitel 6): "Jedem, der sich mit der Tora für den Schöpfer (liShma) beschäftigt, wird viel zuteil: er rechtfertigt die Existenz der gesamten Welt und ihm werden die Geheimnisse der Tora enthüllt".

Genauso kann man über die Generation von Abraham sagen, das heißt, von der Generation der Gerechten kann man sagen, dass er gute Gedanken der Gerechten hat, in anderen Worten  in seinem Verstand und in seinem Herzen nur ein Wunsch lebt, nämlich dem Schöpfer Genuss zu bereiten, wobei die Gedanken und Wünsche der Sünder niemals in seinen Verstand oder in sein Herz kamen.

Aber bezüglich des Menschen, der zu der Generation der Gerechten gehört "kann man [das] wie ein Lob deuten". Das heißt, wenn Noah sich in diesem Zustand unter Gerechten befinden hätte, wenn man die Stärke seines Widerstandes gegen Egoismus, die er unter der Generation der Sünder hatte, und das Gefühl, das er hatte, mit dem Gefühl, das er jetzt hat, mit dem Empfinden der Freude und Süße der Tora vergleicht, ist es offensichtlich, dass die Zeit der Generation Noahs, die Zeit der Generation der Sünder, wenig Bedeutung hat, denn damals hat er das ganze Wohl und den ganzen Genuss, die er jetzt in der Generation der Gerechten empfindet, nicht gespürt.

Aus der Sicht der spirituellen Arbeit jedoch, als er sich in der Generation der Gerechten befand, hatte er mehr Möglichkeiten zu arbeiten. Es stellt sich heraus, das die Generation Noahs wichtig ist, da er damals die Möglichkeit hatte, gute Taten auszuführen, und "die wichtigsten Nachkommen der Gerechten ihre gute Taten sind".

"Mit dem Schöpfer wandelte Noah." Ein Kommentar von Raschi. "Abraham sagt über dem Schöpfer "Der Herr, vor dem ich wandle" [Genesis 24:40]. Noah brauchte Unterstützung, während Abraham sich selbständig festigte (und wandelte) in seiner Gerechtigkeit.

Wie bekannt, hat der Mensch zwei Arten von Gefäße: die Gebenden und die Empfangenden, wobei die Gebenden Gefäße zum Schöpfer gehören, denn nur Er kann tatsächlich geben, und die Empfangenden Gefäße gehören zur Schöpfung, die empfängt.

Dabei "stehen" die Empfangenden Gefäße, die man auf die Schöpfung bezieht, vor den Gebenden Gefäßen. In der Sprache der Kabbala heißen die Gebende Gefäße “SaT de Bina, SA und Malchut”.

Daraus folgt, dass die Gebenden Gefäße heißen: "mit dem Schöpfer wandelte Noah". Das heißt, dass  im Sinne von Gebenden Gefäßen, diejenigen, die wir auf den Schöpfer beziehen, Noah in der Lage war, sich in einem Zustand der Heiligkeit zu befinden ("zu wandeln"), also um des Schöpfers willen zu arbeiten. Deshalb steht es geschrieben: "Noah brauchte Hilfe zur Unterstützung",  denn die Gebenden Gefäße werden von oben gegeben, was eben bedeutet, dass Noah Hilfe zur Unterstützung brauchte. Das heißt, dass der Höhere (Parzuf [spirituelles Objekt]) ihn zur Arbeit angeregt hat, was man eine "Erweckung von Oben" nennt (Itaruta de Leala).

Somit hat er die Gebenden Gefäße, die er mit Hilfe von "Itaruta de Leala" verdient hat, was eben heißt, dass Noah Unterstützung brauchte, die von oben kommt. Und das war die Stufe von Noah.

Gleichzeitig brauchte Abraham keine Unterstützungshilfe. Raschi leitet das aus dem Ausdruck:  "Der Herr, vor dem ich wandle. [Genesis 24:40]" her. Dies bedeutet, dass Abraham die Empfangenden Gefäße, die sich vor den Gebenden  Gefäßen befinden, benutzt hat (wandelte vor Ihm). Denn die Gebenden Gefäße, Keter, Chochma und GaR de Bina, stehen höher, und unter ihnen befinden sich die Empfangenden Gefäße, SaT de Bina und SoN.

Abraham hat die Gefäße die "vor Ihm" stehen verwendet, also die Gebenden Gefäße verwendet hat, die nicht zum Schöpfer sondern zur Schöpfung gehören. Deshalb nennen wir die Verwendung von Empfangenden Gefäßen eine "Erweckung von Unten", "Itaruta de Letata", eine Aufweckung von der Seite der Unteren.

Und dies heißt, dass "Abraham keine Hilfe zur Unterstützung brauchte", denn er hat die Empfangenden Gefäße benutzt und diente mit ihrer Hilfe dem Schöpfer.  Während noch über Noah  es geschrieben steht: "Mit dem Schöpfer wandelte Noah". Das heißt, mit den Gebenden Gefäßen, mit den Gefäßen des Schöpfers. Und diese Gefäße werden vom Schöpfer gegeben.

 

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